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Die deutsche Hauptstadt boomt vielleicht wie noch niemals zuvor. Klar, Hitler hatte auch einiges vor mit Berlin und die im Kalten Krieg geteilte Stadt war Jahrzehnte lang unseliges Zentrum der in Ost und West zerrissenen Welt. Heute aber ist Berlin eine bunte, offene, unfassbar kreative Stadt, die Hunderttausende Zuzügler und noch mehr anlockt, die jedes Jahr Millionen Touristen begeistert und die kulturell sich schon durchaus mit London oder Paris messen kann. Aber ist Berlin auch wirklich eine Metropole?
Metropolen, so der offizielle Ausweis, sind Städte, die nicht nur das Zentrum eines Landes bilden, sie strahlen immer auch auf die Umgebung und benachbarte Staaten aus. Zudem ist ihre Geschichte sehr bewegt, sie wurden manchmal zerstört und wieder aufgebaut und ihre Wurzeln reichen oft Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende zurück. Außerdem sind Metropolen immer der Sitz wichtiger Organisationen, die international agieren und schon deshalb zur Weltgeltung der sie beherbergenden Stadt beitragen. Das Selbstverständnis von Metropolen ist sehr ausgeprägt und selbstsicher und sie sind immer eine Art Sehnsuchtsziel vieler Menschen, gleich ob sie dabei in armen oder reichen Ländern zu finden sind. Und nicht zuletzt sind Metropolen immer auch wirtschaftliche Kraftzentren – nicht umsonst gilt der die Herstellung von Gütern untersuchenden Industrie-Index von New York zu den wichtigsten Erhebungen im US-amerikanischen Börsenmonat.
Berlin nun ist, wie ich finde, in diese Kategorie nicht einzuteilen. Es ist zwar eine recht große Stadt, Hauptstadt des wohl wichtigsten Europäischen Landes dazu, es ist kulturell reich und Sitz berühmter Universitäten. Künstler arbeiten hier, die Kreativwirtschaft wächst und gedeiht. Der Wohlstand ist hoch, die soziale Mischung noch einigermaßen vorhanden. Und von Historie brauchen wir hier nicht reden: Seit die Preußen das damals noch vor sich hin dümpelnde Berlin in den Bereich ihrer Residenz Potsdam nahmen, wuchs die Stadt und wurde als deutsche Hauptstadt Schauplatz vieler welthistorischer Ereignisse.

Freilich fehlt der Hauptstadt das eigentliche Flair der Metropolen. Das ist nicht negativ gemeint, im Gegenteil.
berlin mode hauptstadtWer mal in New York, Delhi oder auch Tokio war, der weiß wie hektisch, schnell und aufgedreht diese Metropolen wirken und leben. Die Menschen dort sind immer in Bewegung und ständig wachsen neue Stadtteile aus dem Boden, andere hingegen verschwinden oder werden komplett verändert. In Berlin hingegen bestehen die meisten Stadtteile seit Jahrzehnten unverändert, vom Sanierungswahn einiger geldgeiler Hausbesitzer einmal abgesehen. Man kann an vielen Plätzen entspannen und eine echte Wirtschaft hat die Spreestadt ja nun wirklich nicht. Vielmehr würde ich Berlin unter jene Hauptstädte reihen, die ihre Rolle zwar mit Stolz, aber auch ein bißchen mit Verachtung tragen. Fragt mal einen Römer, ob er froh wäre, wenn seine Stadt weniger Beachtung fände! Ein absurder Gedanke, aber man wird jede Menge Berliner finden, die sich die scheinbare Ruhe der geteilten Stadt zurückwünschen. Berlin ist gerade deshalb sympathisch, weil es kein alles verschlingender Moloch, sondern eine City mit Charakter und Begrenzung geblieben ist. Im Innern bebt und lebt diese Stadt, ihre Grenzen sind jedoch einigermaßen klar und man kann in einer halben Stunde ins Grüne fahren – definitiv keine Möglichkeit in einer echter und wuchernden Metropole!

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